Wir wissen nicht, wann die neue Jahreszeit beginnt.
Sie beginnt nicht dann, wenn die alte Eiche vor dem Fenster ihr letztes Laub verliert, wenn Mutter die trockenen Blätter im Hof zusammenkehrt und sie später vergisst, sodass der Wind sie fortträgt.
Wir wissen nicht, wann sie beginnt, aber wir spüren es, wenn Mutter und ich auf dem Bahnsteig stehen, im engen Durchgang zwischen eilenden Menschen, umgeben vom Duft von Parfüm und Heimkehr, und
warten. Der Zug wird langsamer, hält an, du steigst aus, suchst unsere Gesichter im Gedränge, bis sich unsere Blicke treffen und Mutter deinen Namen ruft, erst leise, dann weinend.
Wir wissen nicht, wann die neue Jahreszeit da ist, aber sie zeigt sich in den angelehnten Fenstern, durch die die letzten Nordwinde des Jahres ins Zimmer dringen, den weißen Nebel vom Außenalster mitbringen und die feine, klare Kälte des Dezembers. Du liegst auf dem alten Bett, hörst dem Wetterbericht im Radio zu, ohne wirklich zuzuhören, und erzählst mir später davon, als wäre es eine Geschichte, die nur uns gehört.
Wir wissen nicht, wann alles sich wandelt, doch plötzlich ist das Haus voller Bewegung: Du hängst Fotografien auf aus der Zeit fern von hier – Sommer an irgendeinem See, Freunde im Gegenlicht, Sonnenuntergänge über hohem Gras am geheimen Badeplatz, das Rauschen der Kiefern, ein Pappenheimer Salatteller mit süßen, bitteren, salzigen und sauren Noten aus warmen Frühlingstagen im vertrauten Lokal. In der Küche riecht es nach Butterplätzchen in seltsamen Formen, die wir selbst nicht mehr erkennen, nach Mehl an unseren Händen und nach Orangen-Ingwer-Tee in schweren Tassen, und diese kleinen Dinge halten uns einen ganzen Abend lang fest und still.
Wir wissen nicht, wann die neue Jahreszeit uns erreicht, aber wir sehen sie im Licht, das gelb, blau, rot und violett auf die kahlen Äste der Einkaufsstraße fällt, durch die wir gehen, ohne etwas kaufen zu wollen. Wir sehen sie im Feuer, das wir aus trockenem Holz im Hof des Garteninsel-Hauses entzünden, im Knistern der Flammen, im Geruch von Rauch, der sich mit klarer Winterluft mischt, in neuen Weihnachtsliedern und alten, geliebten Melodien. Dein Gesicht ist gerötet, vielleicht von der Wärme des Feuers, vielleicht davon, dass wir nah beieinander stehen.
Wir wissen nicht, wann sie wirklich begonnen hat, aber am letzten Abend von Weihnachten sitzen wir im Kerzenschein, blicken durch das vom Atem beschlagene Fenster, hören einer langsamen Musik zu, die in die späte Nacht sinkt. Draußen gehen Menschen vorbei, Schritte, Stimmen, Flüstern, das wir nicht verstehen, und dennoch wissen wir: Die neue Jahreszeit ist da.
Frohe Weihnachten, Welt.
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